Kaktusensemble auf Grau

Was hast du eigentlich so für eine Beziehung zu dir?

Ich höre manchmal von Freunden, die auch Kinder haben, Sätze wie diese: „Wenn meine Tochter/mein Sohn mal wieder spinnt, denke ich manchmal an euch und eure Drei und sage mir: Alles nicht so schlimm.“

Ich frage mich dann manchmal was so schlimm an drei kleinen Kindern im Alter um die 2-3 Jahre ist. In letzter Zeit frage ich mich das öfter und glaube das ist ein gutes Zeichen. Es zeigt: Ich habe mich langsam daran gewöhnt.

Warum es bei dem Thema „Beziehung zu mir“ erst Mal um Kinder geht? Seit diese Rasselbande mein/unser Leben auf den Kopf stellt hat die Bedeutung von Problemen, die nichts mit Familie und Freunden zu tun haben, einen lächerlichen Verfall genommen.

Wahrscheinlich bin ich faul. Jede Aufregung, abseits der inflationär steigenden Gefühlsausdrücke der Kinder, wird als zwecklos vom Gehirn vorab schon aussortiert. Leben auf Sparflamme.
Leider trübt es auch die Lust sich um das eigene Wohlbefinden zu sorgen. Lieber um die Kinder kümmern, der Freundin den Rücken freihalten, irgendeine Aufgabe haben auch wenn Sie noch so klein ist. Typisch Mann ich.

Dieses „Ich“ redet sich gerne seine Bedeutung klein. Das Bedürfnis der Kinder nach mir ist dabei sehr heilsam. Dabei geht es gar nicht um meine Funktion als „Papa“ (was ist das eigentlich?).
Es geht um mich als Mensch – diese bedingungslose Liebe der Kinder beruhigt ungemein.
Zu wissen, dass selbst nach dem größten Krach eine Umarmung hilft.
[Definition: „Krach“ – Steht hier für Lautstärke, schmerzende Töne, Trampeln, Schlagen.
Nicht für etwas Bindung angreifendes, Leere hinterlassendes, Tränen schürendes.]

Das Streit gar nicht zwingend mit schlechter Laune, Wut und schlimmeren Gefühlen verkoppelt sein muss? Hätte ich nicht gedacht, geschweige denn gehofft aber dennoch ist es passiert. Gereift aus der Hilflosigkeit, die entsteht wenn Rumbrüllen, Ausrasten, Drohen zu einer Reaktion bei den Menschen, die man über Alles liebt, führt die mir selbst die Tränen in die Augen treibt. Umarmen, Vergeben, Entschuldigen (Es ist so verdammt schwer, aber es hilft. Wenn es ehrlich ist. Sonst lass es.)

Der Anteil über mich im Vergleich zum Anteil über die Kinder entspricht ungefähr meiner täglichen Realität. Was führe ich nun also für eine Beziehung mit mir? Eine die besser wird, langsam, die auch mal in alte Muster verfällt, Unsinn macht, verletzend wird. Die Versucht zu lernen, ihren Antrieb zu finden, weiter zu gehen.

Durch dieses Konstrukt aus Gedankenblasen rieselt eine feine Gewürzmischung, die Essenz der Beziehung zu meiner Freundin – das was Alles zusammenhält. Die Liebe meines Lebens. Dies ist für Dich.

Photo by Thomas Verbruggen on Unsplash

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.